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27.07.2010: Teil des Ganzen

Im Interview mit dem DTM-Magazin erklärt Bruno Spengler den besten Saisonstart seiner DTM-Karriere und warum Erfolg nicht immer garantiert ist.

Herr Spengler, Sie fahren seit Jahren in der DTM-Spitzengruppe mit. Eine Quizfrage zu Beginn: Wie häufig haben Sie seit Ihrem Aufstieg in das HWA-Team 2006 die Top Ten verpasst - vorausgesetzt, Sie sind nicht ausgefallen.
Bruno Spengler Das ist eine gute Frage. Wenn ich mich recht erinnere, ist das überhaupt noch nicht vorgekommen. Ich war je einmal Neunter in Hockenheim 2006 und Mugello 2008. Das waren meine schlechtesten Ergebnisse. Stimmt’s?

Die Statistik weist in Hockenheim 2007 einen 14. Platz für Sie aus...
Ah ja. Aber das zählt für mich nicht. Im Ziel war ich Dritter, bekam aber zwei Stunden später eine 50-Sekunden-Zeitstrafe wegen einer Kollision mit Timo Scheider kurz vor Rennende aufgebrummt. Das hat mich dann im Klassement so weit nach hinten gespült. Also tatsächlich bin ich im Ziel nie schlechter als Neunter gewesen.

Außerdem sind Sie in sechs Jahren DTM nur vier Mal ausgefallen. Das spricht für eine große Konstanz. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis als Rennfahrer?
Da muss ich Sie enttäuschen. Ein Geheimrezept habe ich nicht. Die Dinge, die ich als Vorbereitung auf ein Rennen mache, sind ganz offenkundig: Sobald ich im Auto sitze, konzentriere ich mich zu 100 Prozent auf meine Aufgabe. Alles, was vorher war und nachher sein könnte, ist ausgeblendet. Gerade in der Saison 2008 ist mir dieser Prozess nicht immer geglückt. Ich habe mit einem neuen Ingenieur zusammengearbeitet und wir mussten uns erst einmal aneinander gewöhnen. Das war nicht einfach. Es gab Phasen, in denen ich mich eben nicht mehr vollkommen auf das Fahren fokussiert habe. Dann passieren Fehler automatisch.

Nach Ihrem DTM-Debütjahr bei Persson Motorsport im Jahr 2005 feierten Sie im Folgejahr bei HWA gleich den zweiten Gesamtrang. Ein großer Karrieresprung. Waren Sie damals selbst überrascht?
Ich bin aus der Formel 3 Euro Serie in die DTM gewechselt. Im ersten Jahr muss man viel lernen. Die Rennen sind länger, der Umgang mit den Reifen und mit den Bremsen ist anders als in der Formel 3. Das ist mir bei Persson Motorsport, auch dank meines Renningenieurs Hans-Peter Naundorf, sehr gut gelungen. Ich habe ein paar Punkte gesammelt, bin sogar zwei Mal im Zeittraining Dritter geworden. Auf meinen Wechsel zu HWA war ich sehr stolz. Das Auto 2006 war super. Mein Ziel war es, in der Spitzengruppe mitzufahren. Dass es im Endeffekt zu Rang zwei gereicht hat, hat mich nicht unbedingt überrascht. Zugegeben, ich hätte aber nicht gleich mit vier Siegen in einem Jahr gerechnet.

Im Folgejahr noch einmal Gesamtzweiter. Hat man da schon das Image des ewigen Zweiten weg oder haben Sie diesen erneuten „Vize“-Titel als Erfolg verbucht? Mein Ziel in der Saison 2007 war ganz klar der Titelgewinn.
Den habe ich verfehlt. Von daher war ich nicht unbedingt glücklich mit dem Ausgang, aber es war auch alles andere als ein Rückschritt. Man muss auch bedenken, dass ich nach den ersten beiden Saisonrennen noch mit null Punkten auf dem Konto dastand. Ich habe aber weitergekämpft und noch viele Zähler gesammelt. Beim Saisonfinale in Hockenheim hatte ich noch die Chance auf den Titelgewinn - es hat aber leider knapp nicht gereicht. Die Enttäuschung war groß, aber angesichts des Saisonstarts beurteile ich das Jahr als Erfolg.

Gesamtvierter und -fünfter in den Jahren 2008 und 2009. Sicher nicht das, was Sie sich vorgestellt haben. Begannen Sie an sich selbst zu zweifeln?
Zweifel ist das falsche Wort. Klar ist man als Sportler nicht gut drauf, wenn man eine schwierige Phase durchläuft. Aber ich bin nicht der Typ, der dann aufgibt, sondern ich schaue weiter nach vorn. Ich habe mich mit meinem Team zusammengesetzt und alles analysiert: Was könnte man am Auto verbessern? Was könnte ich an mir selbst verbessern? Verbessern kann man immer etwas. Negativgedanken dürfen in so einer Phase nicht aufkommen.

Welche Rolle spielte Ihr Motorsport-Chef Norbert Haug in einer schlechten Phase? Übt er Kritik an Ihnen?
Wir haben viel miteinander gesprochen. Er weiß selbst, dass ein Rennfahrer nicht dauerhaft Topleistungen abrufen kann. Gerade in der DTM sind so viele gute Fahrer unterwegs. Wir liegen von den Zeiten so dicht beieinander. Wenn dir zwei Zehntelsekunden fehlen, bist du im Zeittraining gleich sechs Plätze weiter hinten. Und deswegen unterstützt Norbert Haug uns Piloten in so einer Phase viel mehr, als dass er kritisiert. Natürlich ist er dann auch nicht glücklich und sagt „Gratuliere zum neunten Platz“. Aber er ist lange genug im Geschäft dabei, um zu wissen, dass auf eine Tal- wieder eine Bergfahrt folgt. Er hat Vertrauen in uns Fahrer und wir in ihn als Motorsport-Chef.

2010 die Renaissance: zweite Ränge in Hockenheim und Valencia, dann der Sieg am EuroSpeedway. Der beste DTM-Saisonstart Ihrer Karriere. Sie sind sogar erstmals Tabellenführer. Eine große Genugtuung?
Ich würde lügen, wenn ich nicht mit der bisherigen Situation zufrieden wäre. Aber man muss auch aufpassen und die Geduld bewahren. Die Saison und der Weg zur Meisterschaft sind noch lang, es kann so viel passieren. Ein Ausfall, ein Reifenschaden - und schon sieht die Sache wieder anders aus. Der Weg bis zum letzten Rennen ist noch weit. Ich konzentriere mich nur von Rennen zu Rennen. Jedes Mal sind die Karten wieder neu gemischt.

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